Mykorrhiza-Dünger: Wirkung, Anwendung und Eigenschaften

Mykorrhizen werden im Garten immer öfter eingesetzt. Ich zeige Dir, wie man Mykorrhiza-Dünger richtig anwendet und was es mit den Pilzen auf sich hat.

Mykorrhiza-Dünger, Pilz, Quelle: Heinrich-Linse_pixelio.de
Mykorrhiza-Dünger, Pilz, Quelle: Heinrich-Linse_pixelio.de

Die Zeit der Pilze ist im Herbst, die Sonne tiefer am Himmel steht und wenn sich das Laub in den schönsten Farben verfärbt. Aber was machen diese Zeitgenossen den Rest des Jahres? Und wie sieht der unterirdische Teil des Pilzes eigentlich aus? Diese zwei Fragen sind von großer Bedeutung für Pflanzen, denn Pilze führen unterirdisch ein geheimnisvolles Leben. Lass Dich überraschen, was es alles mit dem Mykorrhiza-Dünger auf sich hat.

Falls Du Dich mit dem Thema Bodenfruchtbarkeit auseinandersetzt, wirst Du früher oder später auch auf diese Pilze stoßen, denn Mykorrhiza-Pilze haben eine große Wirkung auf Pflanzen und Boden und spielen in der biologischen Landwirtschaft eine enorme Rolle. Jedoch auch im eigenen Garten erzielen diese Pilze durchaus nennenswerte Erfolge. Inzwischen sind unter dem Namen „Mykorrhiza-Dünger“ sogar Präparate im Handel erhältlich.

Mykorrhiza-Dünger – Was ist das?

Mykorrhiza-Dünger ist eigentlich gar kein Dünger. Dank des sogenannten Mykorrhiza-Dünger wird die Erde nur mit einem besonderen Pilz eingeimpft. Dazu werden Hyphen und Sporen, das unterirdische Geflecht des Pilzes, in ein Substrat wie Blähton vermischt, das Du dann im Garten ausbringen kannst. Unterirdisch entwickelt sich anschließend ein weitverzweigtes Pilzgeflecht. Jetzt kommt der wesentliche Teil, denn mit den Wurzeln Deiner Pflanzen gehen die Pilze eine Beziehung ein. Oft sind Nährstoffe wie Magnesium und Phosphor zwar im Boden vorhanden, die Pflanzen selber können diese aber oft nicht genügend aufnehmen.

Mykorrhiza-Dünger, Quelle: M.-Großmann_pixelio.de
Mykorrhiza-Dünger, Quelle: M.-Großmann_pixelio.de

Das liegt daran, dass diese Nährstoffe in der Bodenlösung nicht frei verfügbar sind, sondern durch den direkten Kontakt mit der Wurzel nur aufgenommen werden können. Dieses Problem lösen die Mykorrhiza-Pilze, indem sie mit ihrem sehr großen Geflecht die Oberfläche vergrößern und Nährstoffe so aufnehmen und an die Pflanze bzw. Blume weitergeben. Mykorrhiza-Pilze sind zum Teil sogar in der Lage, gebundene Nährstoffe in Gestein herauszulösen und an die Pflanze weiterzuleiten. Diese spendiert dem Pilz im Gegenzug eine große Menge Traubenzucker.

Der Boden wird so zwar nicht direkt gedüngt, der Pflanze stehen aber trotzdem viel mehr Nährstoffe zur Verfügung. In der Natur ist eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen nicht die Ausnahme, sondern es ist die Regel. Forscher nehmen an, dass überhaupt nur durch diese enge Verbindung zwischen Pflanzen und Pilz Erstere stark genug gewesen sind, um auch an Land bestand zu haben.

Wirkung und Eigenschaften von Mykorrhiza-Dünger

Beinahe schon zauberhaft muten alle die Wirkungen an, die diese Pilze auf Pflanzen haben. Die Versorgung mit Nährstoffen ist wohl die wichtigste. Besonders Phosphor, das für Pflanzen zwar schwer zur Verfügung steht, jedoch meistens mehr als genügend im Boden vorhanden ist, wird durch den Mykorrhiza-Pilz geliefert. Aber diese Pilze können noch mehr. Pflanzen, die mit den Pilzen eine Symbiose eingehen, sind kräftiger und gesünder sowie wesentlich widerstandsfähiger. Insbesondere bei Trockenheit oder in mit Salz oder Schwermetallen belasteten Böden profitieren die Pflanzen. Sogar bei so mancher Krankheit oder so manchem Schädling können diese Pilze helfen.

Mykorrhiza-Dünger, Mycorrhiza, Quelle: pixabay
Mykorrhiza-Dünger, Mycorrhiza, Quelle: pixabay

Einige dieser Pilze haben sich zum Beispiel darauf spezialisiert, Nematoden-Würmer zu fangen und sie anschließend zu fressen, während andere wieder das Immunsystem der Pflanze stärken. Wirklich utopisch wird es, wenn Du das Ganze auf einer höheren Ebene betrachtest. In der Regel verbinden sich Mykorrhiza-Pilze nicht nur mit einer Pflanze, sondern mit mehreren. Das macht sie zu wichtigen Bindegliedern zwischen diesen. Über dieses Bindeglied können Pflanzen Informationen untereinander austauschen. Neben all diesen guten Wirkungen auf die Pflanze sorgen die Pilze dank ihres feinen Geflechtes ganz nebenbei dafür, dass sich die Bodenstruktur wesentlich verbessert – natürlich ist dies wiederum ideal für Deine Pflanze.

Diese Pilze können in 2 Gruppen eingeteilt werden: Zum einen sind dies die Ekto-Mykorrhiza, die um die Wurzeln der Pflanzen ein dichtes Geflecht legen und nicht in die Zellen der Wurzel eindringen. Besonders in Symbiose mit Bäumen ist diese Pilzgruppe zu finde. Krautige Pflanzen werden in erster Linie von sogenannten Endo-Mykorrhizen besiedelt. Diese Gruppe der Mykorrhiza Pilze dringt in die Wurzelzellen ein, um zwischen Kohlenstoff und Nährstoffen einen guten Austausch zu gewährleisten. Als Dünger werden Vertreter dieser Gruppe herangezüchtet und im Handel verkauft.

Mykorrhiza-Pilze – Was können sie?

  • Die Bodenstruktur verbessern und Erosion vermindern
  • Einen Informationsaustausch zwischen Pflanzen ermöglichen
  • Schutz vor Trockenheit, Salz und Schwermetallen
  • Pflanze gesund erhalten und stärken
  • Pflanze mit den wichtigen Nährstoffen versorgen, besonders mit Phosphor

Vor- und Nachteile

Als besonderer Dünger hat das Animpfen von Mykorrhiza-Pilzen verschiedene Vorteile für Dich als Gärtner und Deine Pflanzen.

Die Vorteile:

  • Höhere Toleranz gegenüber Trockenheit der Pflanzen
  • Gesundes Wachstum der Pflanzen ohne viel Zutun
  • Einsparung von Dünger, denn Mykorrhiza-Pilze müssen gewöhnlich nur einmal angeimpft werden. Ab dann versorgen sie Deine Pflanzen mit kostbaren Nährstoffen

Aber leider haben auch Mykorrhiza-Pilze ein paar – wenn auch nur wenige – Nachteile.

Die Nachteile:

  • Von der Pflanze müssen die Pilze mitversorgt werden. Natürlich geht dabei etwas Energie verloren, die die Pflanze durch die Photosynthese gewinnt. Der Verlust wird zum Glück durch die gute Wirkung der Mykorrhiza-Pilze mehr als nur ausgeglichen.
  • Du musst eventuell Deinen Anbaustil verändern. Mykorrhiza-Pilze haben ihre Ansprüche und sind Lebewesen. Umgraben ist von jetzt an unerwünscht.

Mykorrhiza-Dünger kaufen – Meine Empfehlung

Mykorrhiza-Pilze sind in einem gesunden Boden mit aktivem Bodenleben ganz natürlich vorhanden. Insbesondere in Städten, wo Gärten oft aus Bauaushub aufgeschüttet sind, oder auf vorher intensiv genutzten und umgegrabenen Flächen sind die Pilze jedoch oft Mangelware. Um ihre Ausbreitung zu beschleunigen und die Struktur des Bodens zu verbessern, kann ein bisschen Mykorrhiza-Dünger einen guten Effekt haben.

Anstatt eines einfachen Mykorrhiza-Düngers sind aber auch Bodenaktivatoren mit Mykorrhiza-Sporen eine gute Möglichkeit, um den eigenen Boden im Garten wieder fit zu bekommen. Diese bringen nicht nur Mykorrhiza Pilze in den Boden, sondern zugleich sorgen sie dafür, dass sie sich wohlfühlen.

Mykorrhiza-Dünger – Richtige Anwendung

Anders als wie bei normalen Dünger ist es mit der reinen Anwendung nach der Packungsbeilage nicht getan. Pilze sind Lebewesen. Also müssen die Bedingungen stimmen, sonst ist der Pilz genauso schnell weider weg, wie Du ihn unter die Erde gebracht hast. Das Wichtigste, was Du zur Anwendung von Mykorrhiza-Pilzen wissen solltest, ist Folgendes:

  • Es gibt einige Familien von Pflanzen, in denen viele Sorten keine Verbindung mit Mykorrhiza-Pilzen eingehen. Die wichtigste dieser Familien sind die Kreuzblütler, zu denen die Schleifenblume, Raps und Kohlgewächse aller Art zählen. Auch Lupinen haben mit den Pilzen nix am Hut.
  • Nicht jeder Pilz eignet sich auch für jede Pflanze. Einige Pilze sind spezifisch auf eine Pflanze abgestimmt.
  • Den Pilzen schadet eine große Gabe an mineralischem Dünger. Besonders Phosphor sollte nicht gedüngt werden.
  • Weil das fein verzweigte Pilzgeflecht sich durch den Erdboden zieht, ist jegliches Umgraben schädlich für den Mykorrhiza-Pilz. Schone Deinen Boden und versuche, ihn nach Möglichkeit unangetastet zu lassen. Nicht nur den Mykorrhiza-Pilzen nützt das, sondern auch sämtlichen nützlichen Bodenlebewesen.

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